Mit dem Großformat Die Badenden schreibt die Künstlerin ein klassisches Sujet der europäischen Kunstgeschichte in die raumlose Dimension des luziden Traums ein. Das Werk besticht durch eine symbiotische Verbindung von vibrierender Farbkraft und fließender Linienführung, die den Akt des Badens als Zustand der totalen physischen und psychischen Entgrenzung erfahrbar macht.

Der Hintergrund des Bildes wird von einem intensiv leuchtenden Grün dominiert, das eine vitale, fast psychedelische Energie verströmt. Im Vordergrund bricht sich diese Farbfläche an einem dynamischen System aus geschwungenen Linien, die sich zu einer rhythmischen Wellenbewegung verdichten. Innerhalb dieser Wellenstrukturen platziert die Künstlerin zwei präzise Kreise, die als abstrahierte Köpfe lesbar sind. Diese weigern sich jedoch, als isolierte Figuren zu existieren; sie verschmelzen vollständig mit der Dynamik des Wassers. Auf der rechten Bildseite füllt sich die Wellenform mit einem lichten, pastelligen Blau, das einen kühlenden, beruhigenden Kontrast zum dominanten Grün des Hintergrunds bildet und dem Fluss der Formen eine haptische Tiefe verleiht.

Formal zeigt sich die Schule von Professor Markus Lüpertz in der kompromisslosen Reduktion der Figuren auf chiffrenhafte Formen und dem Verzicht auf anatomische Detailtreue zugunsten der bildimmanenten Kraft. Die geschwungenen Linien besitzen einen festen, beinahe skulpturalen Gestus. Inhaltlich dekonstruiert das Werk die Grenze zwischen dem Ich und der Umgebung im Traumzustand. Das Bad wird hier zum kollektiven Untertauchen im Strom des Unbewussten. Körper und Element werden eins; das bewusste Ich (symbolisiert durch die klaren Kreisformen) löst sich im flüssigen Raum des Traums auf. Die Badenden ist eine Meditation über das Fließen, das Loslassen und die visuelle Metamorphose.